
Hofhaus nahe Berlin, Fertigstellung der Gebäudehülle
Die Holzfassade ist montiert – sägerau und unbehandelt. Aktuell zeigt sich das Holz noch in seiner warmen, hellen Farbe, wie frisch gesägt. Keine Lasur, keine Lackierung: Die Oberfläche bleibt bewusst so, wie sie aus dem Sägewerk kommt.
Warum unbehandelt. Eine unbehandelte Fassade verzichtet auf jede Schutzschicht und überlässt das Material dem Wetter. Das bedeutet: keine regelmäßige Pflege, kein Nachstreichen, kein Abschleifen. Der Verzicht auf Beschichtung ist hier kein Sparen an Qualität, sondern eine bewusste gestalterische Entscheidung – die Fassade soll sich sichtbar verändern dürfen, statt immer gleich auszusehen.


Wie die Vergrauung entsteht. UV-Licht baut das Lignin in den äußersten Holzfasern ab, Regen spült die Abbauprodukte aus – übrig bleibt die graue Zellulose. Dieser Prozess beginnt an den besonnten, dem Wetter zugewandten Flächen und wandert von dort über die gesamte Fassade. Je nach Ausrichtung und Bewitterung vergraut das Holz nicht überall gleich schnell: Süd- und Wetterseiten dunkeln schneller nach als geschützte Bereiche, sodass die Fassade über Jahre ein zunehmend lebendiges, unregelmäßiges Erscheinungsbild entwickelt. Strukturell ändert sich dabei nichts – die Vergrauung betrifft nur die Oberfläche, nicht die Tragfähigkeit des Holzes.


Warum Holz als Fassadenmaterial. Holz ist ein nachwachsender Baustoff mit guter Ökobilanz, geringem Eigengewicht und vielfältigen optischen Möglichkeiten. Anders als verputzte oder verklinkerte Fassaden verändert sich eine Holzfassade sichtbar über die Jahre – ein Effekt, der je nach Holzart und Oberflächenbehandlung gewollt oder unerwünscht sein kann.
Verlegearten. Die Wirkung einer Holzfassade hängt stark von der Verlegerichtung und dem Profil der Bretter ab:
- Horizontal. Klassische Boden-Deckel-Schalung (ein schmaleres Brett deckt die Fuge des darunterliegenden) oder Stülpschalung (überlappende Bretter). Betont die Breite eines Gebäudes, wirkt ruhig und traditionell.
- Vertikal. Gleiche Prinzipien (Boden-Deckel, Stülpschalung), nur um 90° gedreht. Betont die Höhe, lässt Gebäude schlanker wirken, Regenwasser läuft an den Brettern direkt ab.
- Diagonal. Seltener, optisch markant, konstruktiv aufwendiger durch viele Zuschnitte.
- Rhombusleisten. Rautenförmiges Profil, meist mit kleinem Spalt verlegt. Wirkt glatt und modern, gleichmäßige Fugen.
- Schindeln. Kleinformatige, überlappende Elemente, meist aus Lärche oder Western Red Cedar. Traditionell im Alpenraum, heute auch in reduzierter, moderner Form verwendet.
- Sägerau vs. gehobelt. Unabhängig von der Verlegeart kann die Oberfläche sägerau (rau, wie aus dem Sägewerk) oder gehobelt (glatt) sein. Sägeraues Holz vergraut gleichmäßiger und wirkt von Anfang an rustikaler; gehobeltes Holz wirkt glatter, zeigt Verwitterung oft unregelmäßiger.
Geeignete Holzarten. Nicht jedes Holz ist für den Außeneinsatz gleich gut geeignet. Ausschlaggebend ist die natürliche Dauerhaftigkeit (Resistenz gegen Pilz- und Insektenbefall, eingeteilt in Klassen nach EN 350, Klasse 1 = sehr dauerhaft bis Klasse 5 = nicht dauerhaft):
- Lärche. Die klassische Fassadenholzart in Mitteleuropa. Hoher Harzanteil, gute natürliche Dauerhaftigkeit (Klasse 3–4), vergraut gleichmäßig silbrig. Unbehandelt ohne besonderen Pflegeaufwand einsetzbar.
- Douglasie. Ähnlich dauerhaft wie Lärche, etwas hellerer, rötlicher Ton. In Deutschland gut verfügbar.
- Eiche. Sehr dauerhaft (Klasse 2), aber teuer und schwer zu verarbeiten. Eher bei hochwertigen oder kleinflächigen Anwendungen.
- Robinie. Eine der dauerhaftesten heimischen Holzarten (Klasse 1–2), auch ohne Behandlung sehr langlebig. Weniger verbreitet, da unregelmäßiger Wuchs die Verarbeitung erschwert.
- Fichte und Tanne. Preisgünstig, aber geringe natürliche Dauerhaftigkeit (Klasse 4) – im unbehandelten Außeneinsatz nur mit zusätzlichem Holzschutz (Imprägnierung, thermische Behandlung) sinnvoll.
- Kiefer. Mittlere Dauerhaftigkeit, meist druckimprägniert oder thermisch modifiziert für den Fassadeneinsatz.
- Thermisch modifiziertes Holz. Heimisches Holz (z. B. Fichte, Kiefer, Esche), das durch Hitzebehandlung ohne Chemikalien deutlich dauerhafter wird. Dunklere, gleichmäßige Farbe.
- Western Red Cedar. Sehr dauerhaft, leicht, aromatisch, in Nordamerika Standard für Fassaden und Schindeln. In Europa meist importiert, entsprechend teurer.
- Modifiziertes Holz (z. B. Accoya, Kebony). Chemisch oder thermisch so verändert, dass es in die höchste Dauerhaftigkeitsklasse fällt – auch aus eigentlich wenig dauerhaften Holzarten. Höherer Preis, dafür sehr lange Lebensdauer ohne Behandlung.
Unbehandelt oder beschichtet. Unbehandeltes Holz vergraut natürlich (siehe Baujournal-Beitrag zur Vergrauung) und benötigt keine Pflege, verändert aber sichtbar sein Erscheinungsbild. Lasuren oder Öle erhalten den ursprünglichen Farbton länger, müssen aber alle paar Jahre erneuert werden. Die Entscheidung ist in erster Linie gestalterisch, nicht technisch – beide Varianten sind bei geeigneter Holzart und Konstruktion dauerhaft.
Konstruktiver Holzschutz. Unabhängig von Holzart und Behandlung gilt: Eine hinterlüftete Fassade (Luftspalt zwischen Holz und Dämmebene) lässt Feuchtigkeit abtrocknen und verlängert die Lebensdauer erheblich. Dazu gehören ausreichender Abstand zum Erdreich, Tropfkanten an Fensterbänken und Attiken, und eine Verlegeart, die stehendes Wasser auf den Brettern vermeidet. Richtig konstruiert, hält eine Holzfassade – unabhängig von der gewählten Holzart – mehrere Jahrzehnte.
Das Konzept. Das Haus ist als Bungalow mit zentralem Atrium konzipiert: ein ruhiger Innenhof als Mitte des Grundrisses, von dem aus sich die umliegenden Räume erschließen. Nach außen zurückhaltend, nach innen offen – der Innenhof holt Licht und Ausblick in die Mitte des Hauses, ohne die Privatsphäre zur Straße oder zu den Nachbarn aufzugeben. Dazu eine reduzierte, warme Materialpalette: Holz als dominanter Werkstoff, schwarze Fensterrahmen als bewusster, kräftiger Kontrast dazu.
Beteiligte. Entwurf und Genehmigungsplanung (Leistungsphasen 1 bis 4): Studio giving form und Norman Romeike als Entwurfsverfasser. Die weitere Ausführungsplanung: Studio Frick.